Dienstag, 14. Juli 2015

Ich bin ein Hashi und das ist gut so

Alle die mich kennen und hier jetzt neugierig reingeklickt haben mit dem Gedanken „Hey, was wirft die sich denn plötzlich ein?“ kann ich beruhigen. Ich nehme weder Haschisch noch Marihuana oder sonst irgendwelche Drogen. „Hashi“ ist eine verniedlichte Ausdrucksform von der Autoimmunerkrankung „Hashimoto Thyreoiditis“. Unter Hashimoto leiden viele Millionen Menschen. Manche schlucken ihr L-Thyroxin und gut ist und wiederum anderen geht es trotzdem schlecht. Ich dachte lange, ich bin eine der wenigen Hashis denen es schlecht geht. Mittlerweile habe ich in Internetforen Tausende entdeckt, denen es auch nicht so prikkelnd geht.
Eine Autoimmunerkrankung ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen den eigenen Körper. Irrtümlicherweise bekämpft mein Immunsystem meine Schilddrüse. Na Prima!!! Ob das nun genetisch bedingt ist, durch den Epstein-Barr-Virus, hormonell durch die Geburten oder ob es an meiner Lebensweise liegt? Ich weiß es nicht – ist auch vollkommen egal.
Was ist nun gut daran, ein „Hashi“ zu sein? Findet es überhaupt irgendjemand toll, krank zu sein? Natürlich NICHT!!! Aber man muss sich schließlich mit dem arrangieren, was man so hat.
Außerdem würde ich mal sagen, ich bin nicht krank, aber ich bin eben anders.
Noch vor 12 Jahren zu Beginn meiner Diagnose hab ich das natürlich überhaupt nicht so gesehen. Im Gegenteil, ich dachte, so werde ich das die nächste Zeit nicht überleben. Derweil gab es auch noch den einen entscheidenden Tag in meinem Leben der alles veränderte. An einem kühlen Novembertag im Jahr 2003 war ich zu Fuß mit meinen beiden Jungs (damals 4 und fast 2 Jahre alt) beim Einkaufen in der Stadt unterwegs. Zwei wirklich sehr liebe aber auch sehr lebhafte und entdeckerfreudige Jungs (das quirlige könnten sie vielleicht auch von ihrer Mutter haben *grins*). Es war nicht immer ein Spaß mit Kinderwagen und Kiddy-Board an einer lebhaften Straße entlang in die Stadt zu gehen. Noch dazu, wenn der eine Junge nach links und der andere nach rechts springt.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich mal wieder abgehetzt auf dem Nachhauseweg von der Stadt war. Ich traf einen Bekannten und blieb kurz stehen um mit ihm zu sprechen. Als ich zum Sprechen ansetzte, wurde es mir schlagartig ganz seltsam, so als würde man bei einem elektrischen Gerät plötzlich den Stecker ziehen. Irgendwie hab ich mich noch nach Hause geschleppt. Ab diesem Tag war dann aber nichts mehr so wie es einmal war. Ich war einfach nicht mehr belastbar, hatte ganz eigenartige vielfältige Symptome. Wenn ich morgens um 7.00 Uhr aufstand, war ich um 9.00 Uhr bereits fix und fertig, immer ein eigenartiges Kriseln im Hals, verbunden mit unangenehmen Herzstolperern, Dauerschwindel, Blutdruck mit Berg- und Talfahrt, Supergau war dann mal Vorhofflimmern usw. …Ich, wo mich immer gern mit Freunden getroffen hab, vermied plötzlich Menschen. Alles war mir zu anstrengend. Mit Emotionen konnte ich schon gleich gar nicht mehr umgehen. Ich dachte manchmal echt, ich bin nicht mehr normal.
Es war eine Odyssee bis die Ärzte mal herausfanden was mir wirklich fehlte. Klarheit brachte eine Schilddrüsen-OP. Ich hatte eine sehr große Zyste, autonomes entzündetes Gewebe mit Überfunktion. Ich könnte hier noch viele weitere Symptome ergänzen, nicht zu vergessen, dass ich in den 12 Jahren gute 15 Kilo zunahm (hat ja auch was, es auf das arme kleine Schmetterlingsorgan - die Schilddrüse zu schieben). Schwierig war für mich noch ganz besonders, akzeptieren zu müssen, dass das sportliche Auspowern so gar nicht mehr ging. Bzw. es ging schon, nur lag ich anschließend auf dem Sofa und wartete auf den nächsten Herzschlag. Nach sportlicher Auspowerung stolperte mein Herz erst recht wacker vor sich dahin.
Heute, 12 Jahre später, geht es mir besser denn je. O. K., zwischendurch mal ein kleines Formtief, aber das hat ja jeder Mal. Ärzte haben mir keine geholfen, ich hab mir selbst geholfen!!! Von den Ärzten kamen so Vorschläge, wie Neuraltherapie. Die Vorstellung mir in den Hals spritzen zu lassen, fand ich nicht so verlockend. Der Arzt erklärte mir das wie „Reset-Knopf“ drücken „wenn wir Glück haben, funktioniert ihre Schilddrüse anschließend wieder“, fast so wie beim Computer wenn er abstürzt.
Erst als ich lernte auf meine innere Stimme zu vertrauen, habe ich das alles wieder in Griff bekommen. Wir sollten uns bei allen Krankheiten unserer Eigenverantwortung bewusst sein, denn viele Erkrankungen sind größtenteils lebensbedingt. Wir haben sehr vieles selbst in der Hand. Ich habe durch Mentaltraining, Yoga Nidra und Yoga zu meiner alten Bestform gefunden. Ich kann mich plötzlich auch wieder sportlich auspowern. Herrlich, ich liebe es.
Stress und unsere Lebensumstände sind wesentliche Faktoren für die Entstehung von Krankheiten. Vielleicht haderte ich auch als junge Mama mit dem plötzlich fremdbestimmt sein? Das war sicherlich Stress für mich. Dazu kam noch die Angst, wo meine Jungs als nächstes wieder runterfallen? Mit lebhaften Jungs sitzt man nun öfters mal in der Notaufnahme, daran hab ich mich dann irgendwann mal gewöhnt. Stress und Angst ist dann eine toxische Mischung für den Körper.
Heute bin ich sogar dankbar dafür, dass es ist wie es ist „grins“ – interessanter Satz.
Hätte ich kein Hashi, hätte ich mich sicherlich nicht auf diesen intensiven Yogaweg begeben, der mein Leben in jeder Hinsicht bereichert. Mittlerweile freue ich mich ganz besonders, anderen in meinen Yoga-Kursen eine Hilfe zur Selbsthilfe anbieten zu können.
NamasteBettina