Donnerstag, 14. Mai 2015

Anna Trökes, der Rolli, die Emotionen – die uns reiten und ICH

Schon lange bin ich großer Fan von den Büchern von Anna Trökes. Seit dem Seminar „Gesundheitsförderung und Selbstmanagement mit den Mitteln des Yoga“ vom 24.04. – 26.04.15 am Yogazentrum Ulm bin ich nun auch großer Fan von der Person Anna Trökes.


Anna, die zum Zeitpunkt des Seminars aufgrund eines Mittelfußknochenbruchs im Rollstuhl angerollert kam, war selbst ganz intensiv mit einem Selbstmanagement beschäftigt. Du stehst mitten im Leben, jettest von Seminar zu Seminar und dann wirst du urplötzlich ausgebremst und vor eine neue Herausforderung gestellt. Interessant!!! Wie geht man denn nun damit um? Anna jedenfalls äußerst souverän. Zuvor noch im Krankenhaus – weil ihr der Gips abgenommen werden musste, traf Anna mit etwas Verspätung zum Seminar ein. Sie war die Ruhe selbst. Respekt! Ich jedenfalls, wäre durch so viel äußere Einflüsse schon etwas aus der Spur geraten und man hätte mir das bestimmt angemerkt. Aber der feine Unterschied liegt wahrscheinlich darin, dass Anna über 40 Jahre Yoga praktiziert und ich erst vor 3 Jahren Yoga für mich entdeckt habe. Aber ich bin auf dem Weg …. 

Anna stellte sehr anschaulich die Verbindung der neuesten Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und des modernen Stressmanagements zum Yogasutra dar. Selbstverständlich wurde auch der „STRESS“ beleuchtet. Wir kennen das alle „Kannste was – biste was“. Im beruflichen Kontext ist das dann schon mal eine zentrale Stressgrundlage. Alles muss immer noch schneller und besser erledigt werden. Wir leben ja schließlich in einer Leistungsgesellschaft und es ist ja schließlich auch ein bisschen „HIP“ vielbeschäftigt zu sein.

Lifestylestress als schädliche Dauerdroge.

Anna empfahl uns, künftig doch öfters mal, wenn wir gefragt werden wie es uns geht zu antworten „Oh, alles total entspannt“.  Wahrscheinlich ernten wir dann aber ungläubige Blicke oder gar bedauernde, weil in unserem Leben scheinbar nix los ist. Fakt ist doch, wenn wir solche Unterhaltungen beobachten, dass oft die Antwort kommt „Danke ganz gut, aber ich hab halt grad so viele Termine und so viel um die Ohren“. Brauchen wir das, um uns selbst zu puschen? Werden wir sanft belächelt, wenn wir total relaxt sind und das dann auch noch der Welt mitteilen?

Yoga kann eine wunderbare Stressantwort sein.


Schaffe dir Inseln und Oasen des Rückzugs im Alltag und wenn es das stille Örtchen ist – aber lass dann unbedingt das Handy draußen.



Wenn es hilfreich ist, mach dir einen stringenten Plan und lausche in dich hinein:
  • An welchen Stellen machst du welche Pausen?
  • Nutze die größte Ressource deines Lebens – deinen ATEM:z. B. jedes Mal wenn du das Handy zur Hand nimmst, atme zunächst einige Male ganz bewusst ein und aus (die Vielzapper werden dann ganz schön beatmet J)
  • Schaue auf die Uhr und lass ein Empfinden entstehen wie lange eine Minute dauert.
  • Mache dir bewusst, auch die schwierigste Stunde hat nur 60 Minuten.
  • Klesha-Check
  • Kultiviere Achtsamkeit in deinen Alltag
  • ….. 


Bevor ein energetisches Durcheinander entsteht, erlaube dir, dich mit dem Stress aus/einander zu setzen. Mehr will ich hierzu gar nicht erläutern. Anna hat es uns auch nur einige Male intensiv vorgesprochen. Aber lass es dir doch einfach nur mal auf der Zunge zergehen.

MIT DEM STRESS AUS/EINANDER ZU SETZEN.

Nimm deine davongaloppierenden Emotionen an die Zügel

Lass nicht zu, dass deine Emotionen dich runter ziehen. Bedenke du hast immer die Wahl – du kannst wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen, oder du kannst eine kognitive Umstrukturierung vornehmen und so den inneren Dialog verändern. Wir kennen alle dieses SCHWARZ/WEIß-DENKEN, wie „Immer muss mir das passieren“ oder „Ständig mache ich alles falsch“.

Gehe in solchen Situationen doch mal in einen inneren Dialog:

„Hilft mir dieser Gedanke in diesem Moment?“
„Gibt es eine andere Möglichkeit diese Situation zu betrachten?“
„Ist es hilfreich, mich emotional so mitreißen zu lassen?“

Patanjali sagt „nicht die Gedanken (vrittis) sind das Problem, sondern wie wir den Gedanken annehmen und wie wir mit ihm umgehen“.

Anna definierte nach Patanjali:
„Ein Geist der sich in seine Probleme verstrickt hat, erfährt sich in einem Körper den wir als eng erfahren, wir fühlen uns unwohl, der Atem wird enger, unruhiger, flacher. Wir sind außer Stande, den Atem ruhig zu führen.“

Patanjali sagt, übe den Umgang mit den Kleshas, mit denen wir uns selbst sabotieren: wie Nichtwissen, Ego, Begierde, Abneigung, Gier, Angst, tiefsitzende Unsicherheit. Erkunde deine Glaubenssätze, Prägungen, Denk- und Verhaltensmuster, die dich in deiner persönlichen Potenzialentfaltung behindern.

„Aus der inneren Haltung entstehen deine Absichten und daraus deine Handlungen“ oder „Dein Denken beeinflusst dein Fühlen, dein Fühlen wirkt auf dein Verhalten“

Es ist nicht so einfach die Gedanken Gedanken sein zu lassen, denn das Hirn hirnt ja die ganze Zeit, dennoch mache dir bewusst: „Du bist nicht deine Gedanken.“

Als eine zentrale Aussage dieses Seminars in Verbindung mit den Erkenntnissen aus der Gehirnforschung nehme ich mit nach Hause: Yoga ist nicht der Weg, der das limbische System (eine Struktureinheit im Gehirn am inneren Rand des Cortex, das eine entscheidende Rolle bei Emotionen, Gedächtnis und dem Vermitteln von Bewusstsein spielt, Quelle: Rita Carter, Das Gehirn, Dorling Kindersley Limited, 2009) kalt stellt, sondern vielmehr der Weg, der die Energie der Gefühle in die entsprechenden Bahnen lenkt.

In der praktischen Erfahrung hat mich am meisten beeindruckt, den Mut für eine authentische Bewegung entstehen zu lassen. Generell sind wir es gewöhnt, dass uns der/die Yogalehrer/in die exakte Richtung vorgibt. Aber ist nicht alles Wissen bereits in uns drin?

Anna stellte auch hier die Verknüpfung zu unserer Körperintelligenz sehr anschaulich dar. Lenken wir mal den Fokus auf Babys und kleine Kinder. Ich habe selbst zwei Jungs und kann mich noch gut erinnern, als sie sich mit 3-4 Monaten annähernd in die Kobra hievten oder ihre ersten Aufrichteversuche der Haltung des Hundes ähnelten. Auch übertragen auf das Leben können wir so viel von einem Kleinkind abschauen. Unzählige Male fallen Kleinkinder hin – aber geben sie auf – NIEMALS – alle früheren Kleinkinder können heute laufen.

Ich habe bei diesem Seminar einen Wahnsinns Wissensregen abbekommen. Es gäbe hier noch Unzähliges zu ergänzen. Ich kann für dieses Seminar eine 1.000 %ige Weiterempfehlung aussprechen. Es war einfach unglaublich (gut) und ich bin sehr dankbar, in Genuss dieses Seminars gekommen zu sein. Herzlichen Dank an DICH, liebe Anna! Ach ja, Anna hat glaub definitiv eine Vorliebe für PINK und ihr Mann für ORANGE - das Leben ist bunt sowieso viel schöner.

Habt eine schöne relaxte Zeit
Namaste
Bettina